Wir bauen Brücken zwischen Ost und West.

Partner Russland5.10.2012

„Unser Partner Russland“ (Bericht).

Daß Russland als Partner für Westeuropa von großer Bedeutung ist und
daß diese weiter zunehmen wird, ist eine Tatsache, die von maßgebenden
Persönlichkeiten in Ost und West immer wieder betont wird.
Man hat allerdings manchmal den Eindruck, daß Russland in der medialen
Berichterstattung mitunter nicht ganz so dargestellt wird, wie es
der Realität entspricht. Dies hat naturgemäß auch deutliche
Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Meinungsbildung in der
Bevölkerung.
Die Gründe hierfür sind vielfältig, die Auswirkungen ebenfalls.

Den oben genannten Eindruck zu hinterfragen und gegebenenfalls in
einigen Punkten zu relativieren und damit ein wenig zur weiteren
Verbesserung der Ostwestbeziehungen beizutragen, war eines der Ziele
unserer Veranstaltung, zu der wir eingeladen hatten.
Das Amt der Steiermärkischen Landesregierung hatte unser Vorhaben
genehmigt und Unterstützung zugesichert.
Der russische staatliche Rundfunk Moskau war an der Tagung durch
seinen Korrespondenten in Österreich, Herrn Igor Belov, vertreten.
Vom Russischen Kulturinstitut in Wien war die Leiterin der
Kulturabteilung, Frau Elena Khmilevskaya, gekommen.
Die Veranstaltung fand am 2. Oktober 2012 im Großen Saal der
Landesbuchhaltung in Graz statt.

Programm:

12 Uhr: Begrüßung durch Herrn Landesrat Dr. Christian Buchmann und
Grußworte SE des Russischen Botschafters Herrn Dr. Sergeij Netchaev

danach Wortmeldungen bzw. Impulsreferate verschiedener Persönlichkeiten:
• Österreichisch – Russische Gesellschaft, Dr. Peter Presinger,:
einführende Worte.
• Internationalisierungscenter Steiermark (ICS), Herr Mag. Wilfried
Leitgeb, Leiter der Aussenwirtschaft: „Herausforderung Russland- der
Bär mit Potential.“
• Universität Graz, Frau Prof. Dr. Renate Hansen-Kokorus, Leiterin
der Abteilung für Slawistik: „nationale Stereotypen gegenseitiger
Wahrnehmung“.
• Moskauer Radiosender „Stimme Russlands“, Herr Igor Belov,
Korrespondent: „Russland in der einheimischen und ausländischen
Berichterstattung“.
• Herr Ernst Heinrich, Kleine Zeitung: „das Bild Russlands in Österreich“.
• Fachhochschule Eisenstadt, Herr Prof. Dr. Anatoli Berditchevski,
(Wien und Moskau): „Wie Klischees über Russland entstehen.“
• Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung Graz, Frau Doz.
Dr. Barbara Stelzl-Marx: „Zeithistorische Forschungskooperationen
zwischen Österreich und Russland“.
• Rennerinstitut Wien, Herr Dr. Gerhard Marchl: „Bedeutung des Dialogs
mit Russland“.
• Fa. Mayr – Melnhof, Herr Dr. Michael Spallart, Holzgruppe:
„Russland-eine Erfahrung“.
• Herr Hofrat Dr. Martin Schmiedbauer: „Ost – und Westkirchen im
ökumenischen Dialog“.
• Goetheschule St. Petersburg, Direktorin Frau Tatjana Byrjova:
„Toleranz im Miteinander als Aufgabe für Bildung und Pädagogik“.
• Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, St. Petersburg, Herr
Andrej Frolov: „Wie Österreich in St. Petersburg wahrgenommen wird“.
• Studierende der Uni Graz mit hochaktuellen Projektberichten aus
Russland: „Praktikumserfahrungen vor Ort“. ( z.B. beim Rundfunk in
Moskau, bei einem Archäologielager in Staraya Ladoga, an einer
russischen Schule und als „Meinungforscherinnen“ für Graztourismus.)

Der Russische Botschafter, SE Herr Dr. Sergeij Netchaev gab eine
Übersicht über einige sehr positive und vielversprechende
Entwicklungen auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene.
Er brachte sich lebhaft und engagiert auch in die Diskussion ein,
stellte sich den Fragen aus dem Auditorium und konnte dabei sehr
überzeugend einige bestehende Vorurteile „ausräumen“ und korrigieren,
z.B. betreffend die Situation in Tschetschenien.

Ergebnis und Ausblick:

Es hatten sich etwa 80 Personen zur Konferenz „Unser Partner Russland“
angemeldet. Dies beweist großes Interesse am Thema der Veranstaltung.
Es wurde u.a. referiert über das Potential Russlands, über praktische
Erfahrungen auf dem russischen Markt und beim Aufbau einer Firma in
Russland, über gegenseitige Wahrnehmungen – auch im Spiegel der
Literatur sowie über mediale Darstellungen, über Klischees und die
Bedeutung des Dialoges und der Kooperation. Interessant, wenn auch
nicht ganz nachvollziehbar war, daß eine zunehmende Zahl von
Studierenden in Österreich die Russische Sprache lernen will, man jedoch deren
Kontingente begrenzt, um genügend Studierende etwa
für Polnisch zu bekommen. Grazer Studierende berichteten sehr
ambitioniert und mehrheitlich positiv über ihre praktischen und
menschlichen Erfahrungen in Russland, halten aber auch fest, daß man
in Russland offenbar vergleichsweise wenig über die Steiermark und
Graz weiß.

Die Tagung, moderiert von Herrn Wolfgang Schaller, endete mit einer
Diskussion und zusammenfassenden Statements und man muß sagen, daß
viele Fragen, die eine ausführlichere Behandlung verdient hätten, in
dieser ersten halbtägigen Veranstaltung zum Teil nur kurz
angeschnitten werden konnten.

Am folgenden Tag, dem 3. Oktober, hatten die russischen Gäste die
Möglichkeit, das Grazer ORF Zentrum zu besuchen und sich auch mit
anderen Grazer Sehenswürdigkeiten vertraut zu machen. Daß wir die
Veranstaltung in dieser Form durchführen zu können, verdanken wir der
Unterstützung durch das Land Steiermark und die Stadt Graz.

Als wesentliches Ergebnis der Konferenz kann zusammenfassend
festgehalten werden:
Die Vielzahl und Vielfältigkeit der durch die Impulsreferate gegebenen
Anregungen und das gegenseitige Kennenlernen der Teilnehmer/innen im
Rahmen der Veranstaltung ist ein erster guter Schritt in Richtung
eines intellektuellen Netzwerkes mit intensivem Russlandbezug und
wirkt motivierend, sich engagiert weiterhin und intensiv der
angesprochenen Themen anzunehmen.

Allgemein war man sich darüber einig, daß die mediale Darstellung und
die dadurch bedingte Wahrnehmung Russlands in unserer Gesellschaft
leider häufig nicht der Realität entspricht. Motto: „bad news are
good news“.
Auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene sieht man hingegen Russland
realistischer, optimistischer und positiver; die entsprechenden
Prognosen sind in diesen Bereichen sehr vielversprechend.

Was bleibt und was bleibt zu tun?
Um Nachhaltigkeit und eine weitere Entwicklung in den Projektzielen zu
erreichen, soll angestrebt werden, künftig jährlich eine mindestens
eintägige Folgeveranstaltung abwechselnd in Österreich und Russland,
z.B. in Graz und in St. Petersburg, zu realisieren. Optimal in
Kombination mit einem gesellschaftlichen Ereignis, wie etwa einem
Russischen Ball in Graz und einem „Steirerball“ in St. Petersburg.

Außerdem kann eine Vernetzung relevanter und interessierter
Organisationen, Gruppen und Persönlichkeiten über eine geeignete
Internetplattform, die entsprechend belebt und betreut werden muß, in
diesem Sinn sehr effektiv sein.

( Dr. Peter Presinger )

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