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Michail Chodorkowski30.05.2013

“Chodorkowski, Legenden, Mythen und andere Wahrheiten” lautet der Titel eines Buches von Viktor Timtschenko, das 2012 bei Herbig erschienen ist.

Der Autor wurde 1953 in der damaligen UdSSR geboren, studierte Journalistik und Wirtschaftswissenschaften in Kiew und München und lebt seit 1990 in Deutschland.

Timtschenko entwickelt und belegt in seinem offenbar sehr genau und akribisch recherchierten Werk einen völlig anderen Eindruck der sehr schillernden Figur Michail Chodorkowski, als uns im Westen von manchen Medien, Gruppen und Einzelpersonen, (vielfach erfolgreich!) versucht wird, zu vermitteln.

Statt des Bildes eines Mäzens mit vielen sozialen und einigen politischen Ambitionen zeichnet Timtschenko einen Oligarchen, der vielfach mit kaum durchschaubaren Finanzmanipulationen und Firmenverflechtungen sowie mit umfangreichen Manövern von Täuschung und Betrug, besonders in der Zeit Boris Jelzins, rücksichtslos sein Finanz- und Ölimperium aufgebaut hat, und dem auch eine sehr enge Verwicklung in diverse Mordfälle im Interesse seiner Firmen nachgesagt wird.

Der Autor nennt eine fast unübersehbare Fülle von Fakten und Querverbindungen und geht auch sehr gründlich den Machenschaften und Zielen auf den Grund, die zu einem Entstehen eines sehr positiven Images des Michail Chodorkowski führen sollten und vielfach geführt haben.

Timtschenko berichtet und kommentiert sehr sachlich und überläßt vielfach die Schlußfolgerungen dem Publikum. Er tut dies mit sehr feiner und unnachahmlicher Ironie, die allein schon das Buch lesenswert macht.

Das Werk beschäftigt sich nicht nur mit dem in Sibirien einsitzenden Häftling Chodorkowski, seinem Aufstieg und Fall. Es zeichnet auch sehr kompetent und ausführlich die Zeit Jelzins, dessen “Familie” sowie der damaligen Machthaber und Oligarchen. Es belegt anhand von verschiedenen Fakten die für Russland, seine Gesellschaft und Wirtschaft seinerzeit höchst  problematische Rolle Jelzins und der mit diesem Präsidenten verknüpften Personen und Gruppen.

Timtschenkos interessantes und wichtiges Buch macht nachdenklich, auch über westliche Mainstreams und mediale Wahrnehmungen Russlands im Westen.

Es rückt bei neugierigen, politisch interessierten und reflexionsbereiten Lesern manches in ein anderes Licht, löst Zweifel und Fragen aus und kann jedenfalls wärmstens empfohlen werden.

( Peter Presinger )

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